Bildungsminister Christoph Wiederkehr (NEOS) will im Zuge der aktuellen „Reformpartnerschaft“ mit Ländern und Gemeinden einheitliche Mindeststandards für Kindergärten per Bundesgesetz verankern.
Derzeit legen die Länder Rahmenbedingungen wie Gruppengröße, Betreuungsschlüssel und Qualifikation des Personals fest. In der Praxis gelten in jedem Bundesland andere Regelungen. Versuche, bundesweit einheitliche Mindeststandards einzuführen, scheiterten bisher.
Bisher „möglichst“ einheitlich
Begründet wurde der Widerstand von Teilen der Länder mit Zweifeln an der Machbarkeit. Durch kleinere Gruppen wären etwa auf einen Schlag zahllose neue Einrichtungen nötig – keine einfache Aufgabe angesichts des aktuellen Personalmangels.
In der aktuellen 15a-Vereinbarung, über die der Bund unter gewissen Bedingungen Förderungen u. a. für den Kindergartenausbau vergibt, bekannten sich die Länder bisher nur zu „möglichst einheitlichen Standards“ bei der Qualifikation des Personals und der Nutzung einheitlicher pädagogischer Grundlagendokumente.
Die Steuerungsgruppe der „Reformpartnerschaft“ mit Spitzenvertretern von Bund, Ländern und Gemeinden unternimmt nun einen neuen Anlauf: Als Ziel wurde ein „bundeseinheitlicher Korridor für Mindeststandards“ etwa beim Berufsbild und der Betreuungsqualität ausgegeben. Diese Mindeststandards sollen laut Wiederkehr auch übererfüllt werden können, wenn einzelne Länder mehr investieren wollen.
Zentrale Steuerung auch bei Schulen
Wichtig sei ihm ein „bundesgesetzlicher Rahmen“, so Wiederkehr gegenüber der APA. Das wäre nicht nur wichtig für mehr Qualität in den Kindergärten, sondern auch für das dringend gesuchte Personal. Vom Bund werden derzeit nur die Elementarpädagoginnen und -pädagogen ausgebildet, die in der Regel für die Gruppenführung in Kindergarten oder Krippe verantwortlich sind.
Für das Assistenzpersonal geben die Länder die Regeln vor, mit dem Effekt, dass eine Kindergartenassistentin mit einer Ausbildung in der Steiermark wegen der unterschiedlichen Standards nicht einmal im benachbarten Kärnten arbeiten könne, kritisierte Wiederkehr. „Es braucht hier einheitliche Berufsgruppen, Mindestanforderungen für die Ausbildungen und auch Qualitätsstandards für die Pädagogik.“
Unterstützung von Grünen, FPÖ gesprächsbereit
Unterstützung für bundesweit einheitliche Qualitäts- und Mindeststandards kommt von den Grünen. Nötig seien aber auch ausreichende Betreuungsangebote und Öffnungszeiten, so Familiensprecherin Barbara Neßler in einer Aussendung.
Nicht ganz einig ist man sich über Wiederkehrs Vorhaben bei den Freiheitlichen: Die für Elementarpädagogik zuständige Salzburger Landeshauptfrau-Stellvertreterin Marlene Svazek zeigte sich gesprächsbereit – allerdings müssten budgetäre Situationen berücksichtigt und lokale Realitäten in den Einrichtungen mitbedacht werden.
Kinder „keine Verschubmasse“
Auf eine zentrale Steuerung beharrt Wiederkehr auch weiter bei den Schulen. Den Vorstoß von Salzburgs Landeshauptfrau Karoline Edtstadler (ÖVP), die Zuständigkeit für Bildung komplett zu den Ländern und jene für Gesundheit im Gegenzug zum Bund zu verschieben, lehnt er dezidiert ab.
Kinder seien „keine Verschubmasse“ und ein kleines Land wie Österreich brauche eine starke zentrale Steuerung und „Verantwortlichkeit auf lokaler Ebene der Gemeinden“, nicht ein eigenes Bildungssystem mit unterschiedlicher Schulstruktur und unterschiedlichen Lehrinhalten in jedem Bundesland.